Der ADR ist eine der meistgenutzten Kennzahlen in der Hotellerie — und gleichzeitig eine der am häufigsten falsch interpretierten. Wer seinen ADR kennt, weiß, zu welchem Preis er seine Zimmer tatsächlich verkauft. Wer ihn richtig einordnet, erkennt, wo Preispotenzial liegt und wo er Geld auf dem Tisch lässt.
Was ist der ADR?
ADR steht für Average Daily Rate — auf Deutsch: durchschnittliche Tagesrate. Er beschreibt, wie viel du im Schnitt pro verkauftem Zimmer eingenommen hast, bezogen auf einen bestimmten Zeitraum.
Wichtig: Der ADR bezieht sich nur auf verkaufte Zimmer — nicht auf alle verfügbaren. Das unterscheidet ihn vom RevPAR, der die Gesamtauslastung einrechnet.
Die Formel
ADR = Zimmerumsatz ÷ Anzahl verkaufter Zimmer
Keine Sonderfälle, keine Korrekturfaktoren. Zimmerumsatz geteilt durch die Anzahl der tatsächlich verkauften Nächte — fertig.
Was zählt in den Zimmerumsatz? Nur der reine Zimmererlös. Frühstück, Spa, F&B, Parkgebühren: alles raus. Wenn du ein Paket verkaufst und Frühstück ist inklusive, solltest du den Frühstücksanteil rechnerisch herausrechnen — sonst verfälscht du den ADR.
Beispielrechnung
Ein 40-Zimmer-Hotel in Bayern, eine Woche im Oktober:
| Tag | Verkaufte Zimmer | Zimmerumsatz |
|---|---|---|
| Mo–Do | 22 Zimmer × 4 Nächte = 88 | 10.560 € |
| Fr–Sa | 36 Zimmer × 2 Nächte = 72 | 10.080 € |
| So | 18 Zimmer | 1.980 € |
| Gesamt | 178 Zimmer | 22.620 € |
ADR = 22.620 € ÷ 178 = 127,08 €
Der Wochendurchschnitt liegt bei 127 €. Aber du siehst bereits: Am Wochenende sind mehr Zimmer verkauft und der Umsatz pro Zimmer steigt. Ein segmentierter ADR nach Wochentag würde das deutlicher zeigen.
ADR, RevPAR und Auslastung — der Zusammenhang
Diese drei Kennzahlen gehören zusammen. Wer nur den ADR betrachtet, sieht immer nur einen Teil:
| Kennzahl | Was sie zeigt | Was sie verschweigt |
|---|---|---|
| ADR | Durchschnittspreis pro verkauftem Zimmer | Wie viele Zimmer leer standen |
| Auslastung | Wie voll das Haus war | Was du pro Zimmer eingenommen hast |
| RevPAR | Umsatz pro verfügbarem Zimmer | Warum der Preis so war |
Ein hoher ADR bei niedriger Auslastung kann schlechter sein als ein moderater ADR mit voller Belegung. Erst der RevPAR — also ADR multipliziert mit der Auslastungsquote — gibt dir das vollständige Bild.
RevPAR = ADR × Auslastungsquote
Beispiel: ADR 140 € × Auslastung 62 % = RevPAR 86,80 €
Was ist ein guter ADR?
Das hängt stark von Lage, Segment und Saison ab. Als grobe Orientierung für den deutschsprachigen Raum:
| Segment | Typischer ADR |
|---|---|
| Budget- / Stadthotel (DE) | 70–100 € |
| Mittelklasse (DE/AT) | 100–160 € |
| Boutique / Lifestyle | 150–250 € |
| Ferienhotel Bayern / Tirol | 120–220 € |
| Luxushotellerie | 300 €+ |
Diese Werte sind Richtwerte — kein Benchmark, der direkt vergleichbar ist, ohne Kontext. Saisonspitzen, Lage, Zimmertyp und Buchungskanal machen in der Praxis erhebliche Unterschiede.
Warum dein ADR trügt — typische Fallstricke
Kanalverzerrung: OTAs wie Booking.com oder Expedia buchen zum Listenpreis, aber du zahlst 15–20 % Provision. Dein effektiver Erlös ist deutlich niedriger. Ein ADR, der keine Kanalkosten berücksichtigt, ist geschönt.
Paketpreise ohne Bereinigung: Wenn du Zimmer mit Halbpension zu 180 € verkaufst, ist ein Verpflegungsanteil von 30–40 € darin enthalten. Dein echter Zimmer-ADR liegt dann bei 140–150 €.
Frühbucherrabatte und Last-Minute: Beide drücken den ADR, wenn du sie nicht gesondert auswertest. Was zieht ihn runter — die Stammgäste, die Frühbucherrate, oder der Notverkauf am Vortag?
Saisonmischung: Ein Jahres-ADR, der Hochsaison und Nebensaison zusammenwirft, sagt dir wenig. Ein ADR nach Monat oder Woche zeigt dir, wann du Preispotenzial hast — und wann du es ausgeschöpft hast.
Wie du deinen ADR konkret verbesserst
Segmentierung vor Pauschalpreisen. Statt eines Einheitspreises: unterschiedliche Raten für Zimmertypen, Buchungszeiträume und Kanäle. Wer früh bucht, bezahlt weniger. Wer flexibel ist, auch. Wer kurzfristig bucht und Hochsaison hat, bezahlt mehr.
Kanalkosten einrechnen. Dein Direktbuchungspreis kann niedriger sein als der OTA-Preis — und trotzdem mehr bei dir ankommen. Wer das nicht auswertet, optimiert am falschen Hebel.
Upgrade-Strategie. Ein gebuchtes Standardzimmer, das du gegen Aufpreis zu einem Deluxe upgradest, verbessert deinen ADR ohne eine neue Buchung. Das setzt voraus, dass du weißt, welche Zimmer wann verfügbar sind und welche Gäste empfänglich sind.
Mindest-ADR nach Saison. Leg dir Preisböden fest: unter welchem ADR du in der Hochsaison nicht akzeptierst. Notverkäufe, die den Schnitt drücken, lassen sich vermeiden, wenn du früh genug erkennst, dass ein Datum sich füllt.
Auslastung und ADR gemeinsam steuern. Wenn du weißt, dass dein RevPAR-Ziel bei 95 € liegt und die Auslastung gerade bei 70 % steht, kannst du ausrechnen, welchen ADR du brauchst — und gezielt nachsteuern. Wer das automatisch im Blick haben will: REVENU zeigt ADR, Auslastung und RevPAR täglich nebeneinander, segmentiert nach Zimmertyp und Zeitraum.
Fazit
Der ADR ist ein guter Startpunkt, aber kein vollständiges Bild. Er sagt dir, zu welchem Preis du verkaufst — nicht, ob du genug verkaufst oder ob der Preis kanalbereinigt stimmt. Wer seinen ADR ernst nimmt, betrachtet ihn immer zusammen mit Auslastung und RevPAR, aufgeschlüsselt nach Saison und Kanal. Dann wird aus einer einzelnen Kennzahl ein echtes Steuerungsinstrument.
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