Kalkulation im Hotel — Zimmerpreise, Kosten und Kennzahlen im Überblick

kalkulation im hotel — zimmerpreise, kosten und kennzahlen im Überblick

Ein Hotel zu betreiben bedeutet, täglich mit einem verderblichen Produkt zu arbeiten: Ein Zimmer, das heute Nacht leer bleibt, ist für immer verloren. Kein Lager, keine zweite Chance. Wer in diesem Umfeld profitabel wirtschaften will, braucht eine solide Kalkulation — über alle Unternehmensbereiche hinweg.

Dieser Artikel gibt einen vollständigen Überblick über die wichtigsten Kalkulationsbereiche im Hotel: Zimmerpreise, Gesamtkosten, Kennzahlen — und warum Kalkulation ohne Konzept und Marktlogik nicht funktioniert.

Was umfasst die Hotelkalkulation?

Anders als in der reinen Gastronomie besteht ein Hotel oft aus mehreren Geschäftsbereichen gleichzeitig: Beherbergung, Frühstück oder Restaurant, ggf. Tagungen, Spa, Parkplätze, Zusatzleistungen. Jeder Bereich hat eigene Kostenstrukturen und eigene Kalkulationslogiken.

Die Hotelkalkulation lässt sich grob in vier Bereiche gliedern: Zimmerpreiskalkulation, Kostenkalkulation, Kennzahlensteuerung und — wenn vorhanden — F&B-Kalkulation nach denselben Grundsätzen wie in der Gastronomie.

Zimmerpreiskalkulation — der Ausgangspunkt

Der häufigste Fehler: Der Preis wird nach Gefühl oder nach dem Wettbewerb gesetzt — ohne zu wissen, ob er die eigenen Kosten deckt.

Die kostenbasierte Zimmerpreiskalkulation beginnt mit den Gesamtkosten des Betriebs:

Mindest-Zimmerpreis = Gesamtkosten pro Jahr / (verfügbare Zimmernächte × Zielauslastung)

Beispiel: Ein Hotel mit 20 Zimmern hat jährliche Gesamtkosten von 600.000 €. Bei einer realistischen Zielauslastung von 65 %:

Verfügbare Zimmernächte: 20 × 365 = 7.300
Belegte Zimmernächte bei 65 %: 4.745
Mindest-Zimmerpreis: 600.000 € / 4.745 = 126,45 €

Das ist der Break-even-Preis — darunter macht der Betrieb Verlust. Der tatsächliche Verkaufspreis muss darüber liegen, um Gewinn zu erzielen.

Dieser Wert ist ein Ausgangspunkt, kein fixer Preis. In der Praxis werden Zimmer dynamisch bepreist — saisonal, nach Nachfrage, nach Buchungsstand. Aber wer seinen Mindestpreis nicht kennt, weiß nicht, wo die Schmerzgrenze liegt.

Kalkulation funktioniert nicht ohne Konzept und Markt

Das gilt in der Hotellerie genauso wie in der Gastronomie — und wird genauso oft übersehen.

Selbst wenn die Kalkulation sauber ist, entscheidet der Gast, ob der Preis akzeptiert wird. Das führt zu einem Spannungsfeld, das sich nicht wegrechnen lässt:

  • Die Kalkulation sagt: Das Zimmer muss 140 € kosten
  • Der Markt sagt: In dieser Lage zahlt niemand mehr als 95 €

Beides kann gleichzeitig stimmen. Kalkulation basiert auf den eigenen Kosten. Der Markt basiert auf Zahlungsbereitschaft, Wettbewerb und Positionierung. Diese beiden Dinge passen nicht automatisch zusammen.

Wenn die Kalkulation nicht aufgeht, liegt es häufig nicht am Preis — sondern an der Struktur des Betriebs. Zu hohe Fixkosten für die Lage, zu personalintensiver Betrieb für das Preissegment, zu viele Zimmertypen mit zu hohem Aufwand in der Bewirtschaftung. Diese Faktoren lassen sich nicht wegkalkulieren. Wenn Kostenstruktur und Marktposition nicht zusammenpassen, ist das ein Konzeptproblem — kein Rechenproblem.

Die richtigen Fragen sind deshalb:

  • Was ist meine Zielgruppe bereit zu zahlen — und in welcher Saison?
  • Passt meine Kostenstruktur zu meinem Preissegment?
  • Welche Auslastung brauche ich realistisch — und ist sie erreichbar?

Kostenstruktur im Hotel — die wichtigsten Blöcke

Personalkosten sind der größte Einzelkostenblock. Je nach Kategorie und Konzept liegt die Personalquote zwischen 30 und 45 % des Gesamtumsatzes. Luxushotels mit hohem Servicestandard liegen höher, Budget- und Self-Service-Konzepte niedriger.

Raumkosten umfassen Miete oder Pacht, Nebenkosten, Grundsteuer. Richtwert: 8–12 % vom Umsatz. Wer in einer Hochpreislage mit hoher Pacht operiert, hat weniger Spielraum bei anderen Kostenblöcken.

Energiekosten sind besonders relevant für ältere Gebäude. Richtwert: 4–8 % vom Umsatz.

Kanalkosten werden häufig unterschätzt. OTA-Provisionen von Booking.com oder Expedia liegen bei 15–25 % des Kanalerlöses. Das bedeutet: Eine Buchung für 120 € über eine OTA mit 20 % Provision bringt netto 96 €. Wer das nicht einrechnet, vergleicht Direktbuchungen und OTA-Buchungen auf einer falschen Basis.

NetADR = Zimmererlös − Kanalkosten (Provision, Gebühren)

Wareneinsatz (F&B): Wenn Frühstück oder Restaurant zum Angebot gehört, kommt die F&B-Kalkulation hinzu. Zielwert Wareneinsatzquote: 25–35 %.

Abschreibungen und Kapitaldienst auf Gebäude, Einrichtung und Technik müssen über die Nutzungsdauer verteilt werden. Sie tauchen nicht in jedem Monat sichtbar auf — aber sie sind real und müssen in der Jahresbetrachtung einkalkuliert sein.

Die drei Kernkennzahlen

ADR (Average Daily Rate) — der durchschnittliche Zimmerpreis aller verkauften Zimmer.

ADR = Zimmerumsatz / Anzahl verkaufter Zimmer

Occupancy Rate — die Auslastungsquote.

Occupancy = verkaufte Zimmer / verfügbare Zimmer × 100

RevPAR (Revenue per Available Room) — verbindet Preis und Auslastung zur wichtigsten Einzelkennzahl.

RevPAR = ADR × Occupancy

Der RevPAR zeigt, wie gut ein Betrieb sein gesamtes Zimmerpotenzial ausschöpft — unabhängig davon, ob er über Preis oder Auslastung optimiert. Zwei Hotels mit demselben RevPAR von 80 € können völlig unterschiedlich aufgestellt sein: Das eine hat 95 % Auslastung bei 84 € ADR — voll, aber kaum Preisspielraum. Das andere hat 70 % Auslastung bei 114 € ADR — mehr Marge, aber Leerstand. Welches besser aufgestellt ist, hängt von Kostenstruktur und Strategie ab.

GOP — das eigentliche Ergebnisziel

Umsatz ist nicht Gewinn. Und RevPAR misst nur den Zimmerumsatz pro verfügbarem Zimmer — nicht, was davon übrig bleibt.

Die wichtigste Ergebniskennzahl im Hotelcontrolling ist der GOP (Gross Operating Profit): der Betriebsgewinn nach allen operativen Kosten, aber vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Managementgebühren.

GOP = Gesamtumsatz − operative Kosten

Eine gesunde GOP-Marge liegt je nach Kategorie zwischen 25 und 40 %. Wer darunter liegt, hat ein Kosten- oder Umsatzproblem — oder beides. Der GOP macht Betriebe vergleichbar und zeigt im Zeitverlauf früh, ob der Betrieb in die richtige Richtung läuft.

Direktkosten vs. Fixkosten — eine wichtige Unterscheidung

Direktkosten entstehen unmittelbar durch den Betrieb eines Zimmers: Reinigung, Wäsche, Amenities, Frühstück. Sie steigen mit der Auslastung.

Fixkosten fallen unabhängig von der Auslastung an: Miete, Grundpersonal, Versicherungen. Sie laufen weiter, ob das Hotel voll ist oder nicht.

Diese Unterscheidung ist kalkulatorisch wichtig: Ein zusätzlich verkauftes Zimmer muss zunächst nur seine Direktkosten decken — alles darüber trägt zur Deckung der Fixkosten bei. Das ist der Grund, warum Last-Minute-Rabatte in der Hotellerie betriebswirtschaftlich sinnvoll sein können, auch wenn sie die Marge drücken.

Saisonalität in der Kalkulation abbilden

Hotels sind selten das ganze Jahr gleich ausgelastet. Ein Jahresdurchschnitt reicht nicht — wer in der Hauptsaison 95 % Auslastung hat und im Winter auf 30 % fällt, braucht eine Kalkulation, die beide Szenarien abbildet und zeigt, ob das Gesamtjahr profitabel ist.

Daraus folgt die Logik der dynamischen Preisgestaltung: In der Hochsaison können und müssen höhere Preise gesetzt werden — nicht nur um Nachfrage zu verwalten, sondern um die dünneren Monate zu kompensieren. Wer in der Hauptsaison zu günstig ist, verschenkt die Marge, die er im Winter braucht.

Wer Auslastung, ADR und RevPAR saisonal im Blick behalten will, ohne das manuell in Tabellen zu pflegen: REVENU zeigt diese Kennzahlen automatisch aufbereitet und macht Abweichungen vom Plan früh sichtbar.

Die häufigsten Kalkulationsfehler im Hotel

Preise nach Wettbewerb setzen, ohne die eigene Kostenbasis zu kennen. Was der Nachbar verlangt, ist irrelevant, wenn die eigene Kostenstruktur eine andere ist.

Kanalkosten nicht einrechnen. Viele Betriebe schauen auf den Bruttopreis — und vergessen, was nach Provision übrig bleibt.

Saisonale Schwankungen nicht einplanen. Wer das Jahresbudget auf dem Durchschnitt aufbaut, unterschätzt, wie wenig in der Nebensaison hereinkommt.

F&B nicht separat kalkulieren. Frühstück und Restaurant sind kein reines Serviceangebot — sie sind ein eigener Kostenblock. Ein schlecht kalkuliertes Frühstücksbuffet kann die Zimmermarge auffressen.

Investitionen nicht abschreiben. Eine neue Einrichtung oder Küchenausstattung kostet einmalig viel — aber die Kosten müssen auf die Nutzungsjahre verteilt werden.

Kalkulation zu statisch betrachten. Einkaufspreise, Personalkosten und Energiepreise ändern sich. Wer die Zimmerpreise jahrelang nicht anpasst, verliert schleichend Marge.

Fazit

Hotelkalkulation ist mehr als Zimmerpreise festlegen. Sie umfasst die gesamte Kostenstruktur, alle Umsatzquellen, die Kanalkosten und die saisonalen Schwankungen — und verbindet all das zu einer Entscheidungsgrundlage.

Wer seinen Mindest-Zimmerpreis kennt, seinen GOP trackt, seine Kanalkosten einrechnet, seine Preise dynamisch anpasst und sein Konzept kritisch an seiner Kostenstruktur misst, hat die wichtigsten Hebel in der Hand.

Ein Zimmer, das heute Nacht leer bleibt, kommt nicht wieder. Aber wer seine Zahlen kennt, entscheidet bewusst — nicht aus dem Bauch.


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