Viele Betriebe schauen vor allem auf eine Zahl: den Umsatz. Wenn der stimmt, fühlt sich vieles erstmal richtig an. Wenn er schwankt, wird schnell nervös reagiert.
Das Problem: Umsatz allein sagt fast nichts darüber aus, ob dein Betrieb wirklich funktioniert. Du kannst viel Umsatz machen – und trotzdem kein Geld verdienen. Und du kannst mit weniger Umsatz deutlich profitabler sein.
Genau hier kommen Kennzahlen ins Spiel. Sie helfen dir zu verstehen, was wirklich in deinem Betrieb passiert – und wo du ansetzen musst, bevor es zu spät ist.
Was sind KPIs in der Gastronomie?
KPIs (Key Performance Indicators) sind Kennzahlen, die zeigen, ob dein Betrieb wirtschaftlich funktioniert – und wo du gezielt eingreifen musst.
Sie beantworten Fragen wie: Verdiene ich an meinen Produkten genug? Passt mein Personalaufwand zum Umsatz? Kommen genug Gäste? Ist mein Konzept überhaupt tragfähig?
Wichtig dabei: Eine einzelne Kennzahl sagt selten die Wahrheit. Erst im Zusammenspiel ergibt sich ein klares Bild – und erst dann lassen sich fundierte Entscheidungen treffen.
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
Es gibt viele Zahlen, die du erfassen kannst. In der Praxis brauchst du aber nur wenige, die wirklich relevant sind.
Wareneinsatzquote
Der Klassiker – und gleichzeitig die am meisten missverstandene Kennzahl in der Gastronomie.
Formel: Wareneinsatz ÷ Nettoumsatz × 100
Beispiel: Ein Gericht kostet in der Herstellung 3,20 €, du verkaufst es für 13,50 € netto. Der Wareneinsatz beträgt 23,7 %.
Typische Richtwerte: Speisen liegen meist zwischen 25 und 35 %, Getränke deutlich darunter – Softdrinks und Wein oft unter 20 %, Fassbier je nach Einkauf zwischen 12 und 18 %.
Das Problem mit der reinen Prozentzahl: Sie verführt zu falschen Schlüssen. Schau dir diese zwei Gerichte an:
Gericht A: 11 € Verkaufspreis, 2,75 € Wareneinsatz → 25 % Wareneinsatz → 8,25 € verbleiben zur Kostendeckung.
Gericht B: 22 € Verkaufspreis, 8,80 € Wareneinsatz → 40 % Wareneinsatz → 13,20 € verbleiben zur Kostendeckung.
Gericht B hat eine deutlich schlechtere Quote – liefert aber fast 60 % mehr Deckungsbeitrag pro Teller. Wer nur auf die Quote starrt, zieht das falsche Gericht vom Menü.
Wo du diese Zahl findest: Ein gutes Warenwirtschaftssystem (z. B. gastromatic, DISH oder ein integriertes Kassensystem mit Inventarmodul) liefert den Wareneinsatz automatisch, wenn Einkauf und Rezepturen hinterlegt sind. Ohne Warenwirtschaft musst du Einkaufsbelege und regelmäßige Inventuren manuell abgleichen – das ist aufwändiger, aber unverzichtbar.
Personalkostenquote
In den meisten gastronomischen Betrieben der größte Kostenblock – und oft derjenige, der über Gewinn oder Verlust entscheidet.
Formel: Personalkosten (brutto inkl. Arbeitgeberanteile) ÷ Nettoumsatz × 100
Typischer Bereich: 30 bis 40 % in der Vollgastronomie. Betriebe mit einfachen Konzepten, hohem Takeaway-Anteil oder stark automatisierten Abläufen können darunter liegen. Fine Dining liegt oft darüber.
Wichtig: Viele Betriebe rechnen hier nur mit den direkten Lohnkosten und vergessen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Aushilfen und Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen. Das verfälscht das Bild erheblich.
Beispiel aus der Praxis: Ein Café macht im Monat 28.000 € Nettoumsatz. Die Lohnabrechnung zeigt 9.200 € Bruttokosten inkl. Arbeitgeberanteile. Das ergibt eine Personalkostenquote von 32,9 % – noch im akzeptablen Bereich. Im Folgemonat sinkt der Umsatz auf 23.000 €, die Personalkosten bleiben nahezu gleich bei 8.900 €. Plötzlich liegt die Quote bei 38,7 % – obwohl sich am Konzept nichts geändert hat.
Das zeigt: Personalkosten sind weitgehend fixe Kosten. Sie sinken nicht proportional mit dem Umsatz. Wer das nicht im Blick hat, gerät bei schwächeren Perioden schnell in die Verlustzone.
Wo du diese Zahl findest: Die Lohnbuchhaltung oder dein Steuerberater liefert die monatlichen Bruttopersonalkosten. Für die operative Steuerung empfiehlt sich zusätzlich eine Zeiterfassung (z. B. über Planday, gastromatic oder Factorial), um geleistete Stunden je Schicht und Umsatz je Stunde auswerten zu können.
Deckungsbeitrag
Der Deckungsbeitrag ist die ehrlichste Kennzahl in der Gastronomie – weil er zeigt, was nach dem Wareneinsatz übrig bleibt, um alle anderen Kosten zu decken.
Formel: Nettoumsatz − Wareneinsatz
Mit diesem Betrag werden bezahlt: Personal, Miete, Energie, Versicherungen, Leasing, Softwarekosten – und erst danach, wenn überhaupt etwas übrig bleibt, entsteht Gewinn.
Gibt es Richtwerte? Nein – und das ist der entscheidende Punkt. Der Deckungsbeitrag hat kein allgemeingültiges Ziel. Er muss hoch genug sein, um dein gesamtes Kostengefüge zu tragen. Ein Betrieb mit 4.500 € Kaltmiete, acht Vollzeitkräften und einem großen Lager braucht einen völlig anderen absoluten Deckungsbeitrag als ein zweiköpfiges Café mit Eigentumsküche.
Praktisches Beispiel: Ein Restaurant macht im Monat 41.000 € Nettoumsatz bei einem Wareneinsatz von 12.300 € (30 %). Der Deckungsbeitrag beträgt 28.700 €. Davon gehen 14.200 € für Personal, 3.800 € für Miete und 4.100 € für sonstige Fixkosten ab. Es verbleiben 6.600 € – das ist der operative Gewinn vor Steuern und Unternehmerlohn. Klingt gut. Aber wenn der Umsatz im nächsten Monat auf 33.000 € sinkt und der Wareneinsatz konstant bleibt, schrumpft der Deckungsbeitrag auf 23.100 € – und derselbe Fixkostenblock von 22.100 € lässt nur noch 1.000 € Puffer.
Der Deckungsbeitrag macht Risiken sichtbar, die Umsatzzahlen allein verstecken.
Auf Produktebene gilt: Nicht jedes Gericht muss denselben Deckungsbeitrag liefern. Manche Positionen sind bewusst günstiger kalkuliert, um Frequenz zu erzeugen oder den Gesamtbon zu steigern. Entscheidend ist die Summe – ob dein gesamtes Verkaufsmix ausreicht, um die Kostenbasis zu decken.
Durchschnittlicher Bon (Umsatz pro Gast)
Formel: Nettoumsatz ÷ Anzahl der Gäste (nicht Tische, nicht Bestellungen)
Der Bon zeigt, wie viel Umsatz du im Schnitt pro Person erzielst. Er ist eine direkte Stellschraube für Upselling-Strategien und Kartengestaltung.
Typische Bandbreiten: Schnellgastronomie und Café: 6 bis 14 €. Bistro und casual dining: 15 bis 28 €. Vollgastronomie: 30 bis 55 €. Fine Dining: 80 € und mehr.
Was der Bon allein nicht sagt: Ein hoher Bon kann teuer erkauft sein – durch längere Tischbelegung, höheren Personalaufwand oder aufwändigere Abläufe. Ein niedriger Bon kann funktionieren, wenn die Tischumschlagsrate hoch ist und Prozesse effizient laufen.
Beispiel: Ein Restaurant mit 12 € Durchschnittsbon und drei Umschlägen pro Tisch erzielt 36 € Umsatz pro Sitzplatz und Abend. Eines mit 32 € Bon und einem Umschlag erzielt 32 € – weniger, trotz deutlich höherem Preisniveau. Wer nur auf den Bon schaut, zieht die falsche Schlussfolgerung.
Wo du diese Zahl findest: Jedes moderne Kassensystem (Lightspeed, orderbird, Gastrofix, SumUp POS etc.) liefert den Durchschnittsbon in der Tagesauswertung. Wichtig: Stelle sicher, dass du Gäste und nicht Bestellvorgänge zählst – sonst ist der Wert nicht aussagekräftig.
Gästeanzahl und Auslastung
Wie viele Gäste kommen wirklich – und wie konstant ist das über Wochentage, Schichten und Jahreszeiten hinweg?
Diese Zahl entscheidet darüber, wie sich deine Fixkosten verteilen, ob dein Konzept wirtschaftlich aufgeht und ob deine Personalplanung realistisch ist.
Formel Auslastung: Tatsächliche Gäste ÷ maximale Sitzkapazität × 100
Typischer Fehler: Viele Betriebe kalkulieren mit 70 oder 80 % Auslastung und merken erst im Alltag, dass sie dauerhaft eher bei 45 bis 55 % liegen. Das verändert die gesamte Wirtschaftlichkeitsrechnung fundamental.
Praxisbeispiel: Ein Restaurant hat 60 Sitzplätze und öffnet abends fünf Tage die Woche. Bei 70 % Auslastung wären das 42 Gäste pro Abend, also 210 pro Woche. In der Realität kommen dienstags und mittwochs oft nur 20 bis 25 Gäste – der Schnitt liegt bei 34. Das sind 170 Gäste, 19 % weniger als geplant. Auf den Monat hochgerechnet fehlen bei einem Bon von 28 € rund 2.240 € Umsatz – monatlich, vor Wareneinsatz.
Der entscheidende Punkt: Kennzahlen hängen zusammen
Kennzahlen funktionieren nicht isoliert. Ein niedriger Bon bedeutet: Du brauchst mehr Gäste oder mehr Umschläge. Hohe Personalkosten bedeuten: Du brauchst entweder höhere Preise, mehr Volumen oder effizientere Abläufe. Ein niedriger Wareneinsatz bringt dir nichts, wenn gleichzeitig der Personalaufwand zu hoch ist.
Das Entscheidende ist nicht, einzelne Werte zu optimieren – sondern zu verstehen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen.
Kennzahlen bewusst verschieben statt isoliert optimieren
In der Praxis geht es nicht darum, jede Kennzahl für sich auf einen Richtwert zu drücken. Oft ist es sinnvoll, einzelne Werte bewusst zu verändern, um das Gesamtergebnis zu verbessern.
Ein niedrigerer Deckungsbeitrag pro Gast kann sinnvoll sein, wenn dadurch deutlich mehr Gäste kommen und dein Betrieb diese Auslastung effizient bewältigen kann. Ein höherer Bon bei geringerer Gästeanzahl kann funktionieren, wenn das Konzept und die Nachfrage es tragen.
Entscheidend ist nicht, welche Einzelkennzahl „gut“ aussieht. Entscheidend ist, wie sich die Kennzahlen gemeinsam auf dein Ergebnis auswirken.
Deshalb lohnt es sich, verschiedene Szenarien durchzudenken: Was passiert bei weniger Gästen? Was passiert bei höherem Bon? Welche Kombination ist an deinem Standort realistisch erreichbar?
Wie bekommst du diese Zahlen?
Das Kassensystem: deine wichtigste operative Datenquelle
Ein modernes Kassensystem ist die Grundlage für fast alle operativen KPIs. Es liefert Umsatz pro Tag und Schicht, Gästeanzahl, Durchschnittsbon, meistverkaufte Produkte und den Umsatz nach Produktgruppen. Systeme wie Lightspeed Restaurant, orderbird, Gastrofix, SumUp POS oder Revel geben diese Daten in Echtzeit oder als exportierbare Reports aus.
Ohne verlässliche Kassendaten ist eine saubere KPI-Auswertung kaum möglich.
Warenwirtschaft und Inventur
Der Wareneinsatz lässt sich nur realistisch berechnen, wenn Einkäufe dokumentiert und regelmäßig Inventuren gemacht werden. Viele Betriebe arbeiten hier mit Schätzungen – das ist einer der häufigsten Fehler.
Spezialisierte Warenwirtschaftssysteme wie gastromatic, Apicbase oder MarketMan synchronisieren Einkauf, Rezepturen und Lagerbestand und berechnen den Wareneinsatz automatisch je Produktgruppe. Für kleinere Betriebe reicht oft eine strukturierte Excel-Vorlage mit wöchentlicher Inventur.
Zeiterfassung und Dienstplanung
Für eine aussagekräftige Personalkostenquote reicht die Lohnabrechnung allein nicht aus. Ergänzend sinnvoll ist eine Zeiterfassung, die geleistete Stunden je Schicht und Umsatz je Arbeitsstunde sichtbar macht. Tools wie Planday, gastromatic oder Factorial ermöglichen das und lassen sich mit Kassensystemen verknüpfen.
Reicht die Buchhaltung und eine BWA?
Für den groben Überblick: ja. Für die operative Steuerung: nein. Die BWA zeigt Gesamtumsatz, Gesamtkosten und die grobe Entwicklung – aber sie zeigt nicht, warum etwas passiert. Sie ist der Rückspiegel, kein Steuer.
Was du aus diesen Zahlen ableiten kannst
Die eigentliche Stärke von Kennzahlen liegt nicht darin, sie zu kennen – sondern darin, die richtigen Entscheidungen daraus abzuleiten.
Wenn dein Wareneinsatz zu hoch ist: Prüfe Einkaufspreise, Portionsgrößen und Rezepturen. Analysiere, ob einzelne Gerichte wirtschaftlich überhaupt tragbar sind. Manchmal liegt das Problem nicht am Einkaufspreis, sondern an Verschnitt, Überproduktion oder mangelnder Rezepttreue in der Küche.
Wenn dein Durchschnittsbon zu niedrig ist: Funktioniert aktives Upselling – Getränke, Desserts, Zusatzverkäufe? Ist die Karte so strukturiert, dass Gäste intuitiv zu höherpreisigen Positionen gelenkt werden? Oder sind die Preise grundsätzlich unter Marktniveau?
Wenn deine Personalkostenquote zu hoch ist: Sind Abläufe zu komplex für das Konzept? Ist die Karte zu groß und bindet zu viel Küchenzeit? Läuft zu viel Personal gleichzeitig in schwachen Schichten?
Wenn zu wenig Gäste kommen: Passt das Konzept zum Standort und zur Zielgruppe? Ist die Sichtbarkeit online und offline ausreichend? Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis aus Gästesicht?
Wichtig: Nicht isoliert optimieren
Ein häufiger Fehler ist, einzelne Kennzahlen isoliert zu verbessern, ohne die Wechselwirkungen zu bedenken.
Kleinere Portionen senken den Wareneinsatz – führen aber schnell zu unzufriedenen Gästen und sinkender Wiederkehrrate. Preiserhöhungen steigern den Bon – können aber die Gästefrequenz drücken, wenn sie nicht durch wahrgenommenen Mehrwert gedeckt sind. Personalabbau verbessert die Personalkostenquote – aber wenn dadurch die Servicequalität leidet, zahlt man es in Form von schlechten Bewertungen und Gästerückgang zurück.
Jede Veränderung wirkt sich auf mehrere Kennzahlen gleichzeitig aus. Das ist kein Grund zur Lähmung – aber ein Grund zur Umsicht.
Wie oft solltest du deine Kennzahlen prüfen?
Täglich: Umsatz, Gästeanzahl, grober Überblick aus dem Kassensystem. Das dauert fünf Minuten und gibt ein unmittelbares Gefühl für Abweichungen.
Wöchentlich: Durchschnittsbon, Umsatz je Schicht, Personalkostenstunden, auffällige Produkttrends. Hier lohnt sich ein kurzer strukturierter Blick auf die Kassendaten und den Dienstplan.
Monatlich: Wareneinsatzquote, Personalkostenquote, Deckungsbeitrag, BWA-Abgleich. Das ist die Ebene, auf der Muster sichtbar werden und Entscheidungen vorbereitet werden.
Wichtig ist weniger die Perfektion als die Regelmäßigkeit. Nur wer seine Zahlen kontinuierlich im Blick hat, kann früh genug reagieren – statt im Nachhinein Ursachenforschung zu betreiben.
Fazit
Kennzahlen in der Gastronomie sind kein Selbstzweck. Sie helfen dir, deinen Betrieb wirklich zu verstehen – und gezielt zu steuern, statt auf Bauchgefühl zu reagieren.
Wichtig ist nicht, möglichst viele Zahlen zu erfassen. Wichtig ist, die richtigen zu kennen, die richtigen Systeme dafür zu nutzen – und sie im Zusammenhang zu betrachten.
Der Wareneinsatz allein entscheidet nicht über deinen Erfolg. Auch nicht der Umsatz. Am Ende zählt, ob dein gesamtes System funktioniert – und ob dein Betrieb Gewinn erwirtschaftet.
Kennzahlen zeigen dir nicht nur, wie dein Betrieb läuft. Sie zeigen dir, ob dein Konzept wirklich trägt – und wo du ansetzen musst, solange es noch etwas zu gestalten gibt.
Zahlen im Griff behalten – von Anfang an

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