Deckungsbeitrag Gastronomie — Beispiel & Berechnung

deckungsbeitrag gastronomie — beispiel & berechnung

Du weißt, was du für ein Gericht ausgibst. Aber weißt du auch, was es dir wirklich einbringt? Genau das zeigt der Deckungsbeitrag — und er ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um zu verstehen, welche Gerichte deinen Betrieb tragen und welche nur den Umsatz schönen.

Was ist der Deckungsbeitrag?

Der Deckungsbeitrag (DB) zeigt, wie viel vom Verkaufspreis eines Gerichts übrig bleibt, nachdem du die variablen Kosten — also vor allem den Wareneinsatz — abgezogen hast. Dieser Betrag „deckt“ anteilig deine Fixkosten wie Miete, Personal und Versicherungen.

Ein hoher Deckungsbeitrag bedeutet nicht automatisch, dass ein Gericht profitabel ist — aber ohne ausreichenden Deckungsbeitrag ist kein Gericht profitabel. Es ist der erste Filter.

Die Formel

Deckungsbeitrag = Verkaufspreis (netto) − Wareneinsatz

Wenn du Gerichte vergleichen willst, hilft die Deckungsbeitragsquote:

DB-Quote (%) = Deckungsbeitrag ÷ Verkaufspreis × 100

Die DB-Quote zeigt, wie viel Prozent des Preises nach Abzug des Wareneinsatzes übrig bleiben.

Beispielrechnung

Angenommen, du hast drei Gerichte auf der Karte:

GerichtVerkaufspreis (netto)WareneinsatzDeckungsbeitragDB-Quote
Wiener Schnitzel18,00 €5,40 €12,60 €70 %
Vegane Bowl14,00 €3,50 €10,50 €75 %
Dry-Aged Steak32,00 €14,40 €17,60 €55 %

Das Steak hat den höchsten absoluten Deckungsbeitrag — aber die schlechteste Quote. Das bedeutet: Vom Preis bleibt prozentual am wenigsten übrig. Wenn es sich gut verkauft, trotzdem wertvoll. Wenn es selten bestellt wird, blockiert es Ressourcen ohne genug Ertrag.

Die vegane Bowl ist scheinbar günstig — aber 75 % ihres Preises sind Deckungsbeitrag. Für dich strukturell wertvoll.

Deckungsbeitrag vs. Gewinn — der wichtige Unterschied

Der Deckungsbeitrag ist kein Gewinn. Er ist eine Zwischengröße.

Von ihm müssen noch alle Fixkosten gedeckt werden: Miete, Personalkosten, Pacht, Energie, Versicherungen. Erst was danach übrig bleibt, ist dein Betriebsergebnis.

Das bedeutet konkret: Du kannst einen positiven Deckungsbeitrag haben — und trotzdem Verlust machen, wenn deine Fixkosten zu hoch sind. Viele Betriebe haben dieses Problem, ohne es zu wissen.

Gesamtdeckungsbeitrag deines Betriebs

Für die Gesamtsteuerung zählt nicht nur der DB pro Gericht, sondern der Gesamtdeckungsbeitrag — also die Summe aller Deckungsbeiträge über alle verkauften Gerichte in einem Zeitraum.

Gesamtdeckungsbeitrag = Gesamtumsatz (netto) − gesamter Wareneinsatz

Wenn du im Monat 40.000 € Umsatz machst und dein Wareneinsatz 13.000 € beträgt, liegt dein Gesamtdeckungsbeitrag bei 27.000 €. Davon bezahlst du Miete, Personal und alle anderen Fixkosten. Was übrig bleibt, ist dein Gewinn — oder dein Verlust.

Welcher Deckungsbeitrag ist gut?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht — es hängt stark vom Konzept ab. Als grobe Orientierung:

  • Einfache Gastronomie / Imbiss: DB-Quote 60–70 %
  • Casual Dining: 65–75 %
  • Gehobene Gastronomie: 55–70 % (höhere Warenqualität, dafür höhere Preise)
  • Café / Getränkelastig: 70–85 % (Getränke haben deutlich bessere Quoten als Speisen)

Entscheidend ist nicht der Vergleich mit anderen — sondern ob dein Gesamtdeckungsbeitrag ausreicht, um deine Fixkosten zu decken und einen Puffer zu halten.

Häufige Fehler

Wareneinsatz zu niedrig angesetzt. Viele kalkulieren nur den Einkaufspreis der Zutaten — aber Schwund, Küchenabfälle, Portionsschwankungen und Personalessen kommen noch dazu. Wer mit 20 % Wareneinsatz kalkuliert und in der Realität 30 % hat, verliert monatlich tausende Euro unbemerkt.

Getränke nicht separat ausgewertet. Getränke haben meist deutlich bessere DB-Quoten als Speisen. Wer sie im Gesamtschnitt verschwinden lässt, verpasst wichtige Steuerungsinformationen.

Preise nicht regelmäßig angepasst. Wenn Einkaufspreise steigen, aber Verkaufspreise gleich bleiben, sinkt der Deckungsbeitrag schleichend — ohne dass es sofort auffällt.

Gerichte mit negativem DB nicht erkannt. Es gibt sie: Gerichte, bei denen der Wareneinsatz höher ist als der Nettoverkaufspreis — etwa durch falsche Portionierung oder unterschätzte Zutatenmengen. Diese Gerichte kosten bei jedem Verkauf Geld.

4 Hebel, um den Deckungsbeitrag zu verbessern

1. Rezepturen standardisieren. Einheitliche Portionsgrößen und Zutatenlisten verhindern Schwankungen beim Wareneinsatz. Was in der Kalkulation steht, muss in der Küche ankommen.

2. Einkaufspreise regelmäßig prüfen. Lieferantenpreise ändern sich — oft still und leise. Wer quartalsweise vergleicht, erkennt Kostentreiber früh.

3. Karte analysieren statt nur wachsen lassen. Mehr Gerichte bedeutet nicht mehr Ertrag. Gerichte mit dauerhaft schwachem Deckungsbeitrag und geringer Nachfrage sollten von der Karte.

4. Preise konsequent an Kosten anpassen. Ein Gericht, das vor zwei Jahren gut kalkuliert war, kann heute ein Verlustbringer sein. Die Kalkulation ist keine einmalige Arbeit.

Wer Wareneinsatz und Deckungsbeitrag nicht regelmäßig prüft, merkt Probleme oft erst, wenn sie sich schon festgesetzt haben. REVENU zeigt dir diese Kennzahlen automatisch — ohne dass du jede Woche manuell nachrechnen musst.


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