Welche Software braucht ein Restaurant wirklich?

welche software braucht ein restaurant wirklich

Ein ehrlicher Überblick — ohne Tool-Inflation, ohne Affiliate-Liste. Nur das, was im Alltag eines Restaurantbetriebs tatsächlich eine Rolle spielt.

Die Antwort auf diese Frage hängt von deiner Betriebsgröße, deinem Konzept und deiner Digitalreife ab. Aber es gibt eine Grundstruktur, die für fast jeden Gastronomiebetrieb gilt — vom Bistro bis zum gehobenen Restaurant. Und es gibt Software, die du kaufst, weil sie jemand empfohlen hat, die aber im Alltag niemand nutzt.

Dieser Artikel zeigt dir, welche Kategorien wirklich zählen, was du davon tatsächlich brauchst — und was optional ist.

Das Fundament: Ohne diese Software läuft nichts

Kassensystem (POS)

Das Kassensystem ist die zentrale Datenquelle deines Betriebs. Hier fließen Umsätze, Tischbelegungen, Artikel und Zahlungswege zusammen. Ohne ein funktionierendes POS-System arbeitest du blind.

Was ein gutes Kassensystem können muss:

  • TSE-konformer Betrieb (Pflicht in Deutschland seit 2020)
  • Tischverwaltung und Splitbills
  • Artikelstatistiken und Tagesumsätze
  • Anbindung an Zahlungsdienstleister
  • Export für Steuerberater oder Buchhaltungssoftware

Bekannte Systeme im DACH-Raum sind unter anderem orderbird, Lightspeed Restaurant, Gastrofix oder Vectron. Die Wahl hängt stark vom Konzept ab — ein Food-Truck braucht eine andere Lösung als ein Restaurant mit 80 Plätzen.

Merke: Das Kassensystem liefert Rohdaten. Es sagt dir, was du verkauft hast. Es sagt dir nicht, ob du damit Geld verdient hast.

Reservierungssystem

Wer ohne Reservierungssystem arbeitet, verliert täglich Gäste — und den Überblick. Ein digitales Reservierungstool ersetzt das Papierbuch, ermöglicht Online-Buchungen und gibt dir einen Blick auf Auslastungsmuster.

Relevante Funktionen:

  • Online-Buchung über Website oder Google
  • Tischkapazitätsverwaltung
  • Automatische Bestätigungs- und Erinnerungs-Mails
  • No-Show-Management (Kreditkartenhinterlegung, Stornopolicies)

Verbreitete Lösungen: Resmio, TheFork (früher LaFourchette), OpenTable, Quandoo. Für kleinere Betriebe gibt es auch günstigere oder kostenlose Einstiegslösungen.

Buchhaltung / Steuerberater-Schnittstelle

Irgendwo müssen die Zahlen aus deiner Kasse landen — in einer Form, die dein Steuerberater weiterverarbeiten kann. Das kann eine eigene Buchhaltungssoftware sein (sevDesk, lexoffice, DATEV) oder ein simpler DATEV-Export aus deiner Kasse.

Wenn du die Buchhaltung vollständig an einen Steuerberater ausgelagert hast, brauchst du hier oft keine eigene Software — aber du solltest zumindest wissen, wie die Daten von der Kasse zum Steuerberater fließen.

Der zweite Kreis: Effizienz im Betrieb

Dienstplanung und Personalverwaltung

Personal ist in der Gastronomie der größte Kostenfaktor — und gleichzeitig der unübersichtlichste. Wer Dienstpläne noch per Hand in Excel schreibt, verschwendet Zeit und riskiert Planungsfehler.

Eine Dienstplanungssoftware hilft dir bei:

  • Digitalen Schichtplänen mit Mitarbeiter-Kommunikation
  • Arbeitszeiterfassung (gesetzliche Pflicht)
  • Urlaubsverwaltung und Krankmeldungen
  • Lohnvorbereitung für den Steuerberater

Verbreitete Lösungen: Shiftbase, Planday, Gastromatic, Quinyx. Die meisten bieten eine Smartphone-App für Mitarbeiter.

Warenwirtschaft und Rezepturverwaltung

Ab einer gewissen Betriebsgröße lohnt sich eine separate Warenwirtschaftslösung. Sie hilft dir, Lagerbestände zu verfolgen, Rezepturen zu kalkulieren und Bestellprozesse zu automatisieren.

Das ist kein Pflicht-Tool für jeden Betrieb — ein kleines Café kommt ohne aus. Aber ein Restaurant mit hohem Wareneinsatz, mehreren Lieferanten und wechselnder Speisekarte profitiert erheblich.

Relevante Anbieter: Apicbase, MarketMan, gastronovi. Einige POS-Systeme haben Warenwirtschaftsfunktionen bereits integriert.

Lieferdienst-Anbindung

Wer Lieferung oder Abholung anbietet, hat früher oder später mehrere Plattformen zu verwalten: Lieferando, Wolt, Uber Eats — plus eventuell die eigene Bestellseite. Ohne Middleware-Lösung bedeutet das: jede Bestellung manuell ins System tippen.

Tools wie Deliverect oder aggregator.io verbinden alle Bestellkanäle mit deinem Kassensystem. Das spart Zeit und verhindert Fehler.

Der dritte Kreis: Steuerung und Controlling

Das ist der Bereich, der am häufigsten vernachlässigt wird — und der wirtschaftlich am meisten Einfluss hat.

Controlling und Betriebsanalyse

Dein Kassensystem zeigt dir Umsätze. Dein Steuerberater schickt dir monatlich oder quartalsweise eine BWA. Aber weder das eine noch das andere beantwortet die entscheidenden Fragen:

  • Wie hoch ist meine Personalquote diese Woche?
  • Welche Gerichte haben den besten Deckungsbeitrag?
  • Liegt mein Wareneinsatz im Ziel?
  • Was passiert mit meinem Cashflow, wenn ich den Lieferanten nicht sofort zahle?

Hier entsteht die größte blinde Stelle in Gastronomiebetrieben. Die Zahlen sind da — in der Kasse, in der BWA, in der Lohnabrechnung — aber sie werden nicht zusammengeführt und nicht zeitnah ausgewertet.

REVENU ist ein Beispiel für eine Lösung, die genau diese Lücke schließt: BWA-Import, Szenario-Simulator, Fokusanalyse auf die drei größten Kostenhebel — gedacht für Betreiber, nicht für Controller. Wer seine Zahlen regelmäßig im Blick haben will, ohne dafür ein Controller-Diplom zu brauchen, ist hier richtig.

Bewertungsmanagement

Online-Bewertungen sind für Restaurants existenziell. Google, TripAdvisor, TheFork — alle Kanäle im Blick zu behalten kostet Zeit. Bewertungsmanagement-Tools wie Customer Alliance oder Repup zentralisieren die Übersicht und ermöglichen strukturierte Antworten.

Für kleinere Betriebe oft nicht nötig — ein wöchentliches manuelles Monitoring reicht. Für Betriebe mit hohem Bewertungsvolumen oder mehreren Standorten aber sinnvoll.

Was du wahrscheinlich nicht brauchst

Einige Tools werden stark vermarktet, haben aber für viele Restaurants keinen klaren ROI:

Marketing-Automation-Suiten — komplexe CRM-Systeme für Newsletter, Loyalty-Programme und Kampagnen sind für die meisten Einzelbetriebe überdimensioniert. Ein simpler E-Mail-Verteiler über Mailchimp reicht oft.

Vollintegrierte „All-in-one“-Plattformen — Anbieter, die Kasse + Reservierung + Warenwirtschaft + Buchhaltung in einem System versprechen, liefern selten in allen Bereichen gute Qualität. Besser: Speziallösungen, die sauber integriert sind.

Tischbestellsysteme (QR-Code-Karte) — praktisch in der Theorie, in der Praxis polarisierend. Für Konzepte mit hohem Serviceanspruch oft ein Gästeerlebnis-Problem.

Die realistische Software-Landschaft für ein Restaurant

KategorieNotwendigkeitBeispiele
KassensystemPflichtorderbird, Lightspeed, Gastrofix
ReservierungSehr empfohlenResmio, TheFork, OpenTable
Buchhaltung / ExportPflichtsevDesk, lexoffice, DATEV
DienstplanungSehr empfohlenShiftbase, Planday, Gastromatic
WarenwirtschaftJe nach BetriebApicbase, MarketMan
Lieferung / AggregatorNur bei DeliveryDeliverect
Controlling / BIEmpfohlenREVENU
BewertungsmanagementOptionalCustomer Alliance, Repup

Was du aus dieser Liste mitnehmen solltest

Kein Betrieb braucht alle acht Kategorien gleichzeitig. Aber fast jeder Betrieb braucht die ersten vier — Kasse, Reservierung, Buchhaltung, Dienstplanung. Das ist das Minimum für einen geordneten Betrieb.

Der Unterschied zwischen Betrieben, die wachsen, und solchen, die stagnieren, liegt meistens nicht an der Qualität der Speisekarte. Er liegt daran, ob jemand die Zahlen im Blick hat. Wer seinen Wareneinsatz nicht kennt, wer nicht weiß, welche Schichten profitabel sind, wer auf die monatliche BWA wartet statt wöchentlich zu steuern — der reagiert immer zu spät.

Software löst das nicht automatisch. Aber die richtigen Tools machen es möglich.


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